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Mail an die IG Taxi in Linz 3. Februar 2011
Liebe Taxi-Kollegen aus Linz !

Herzlichen Dank für die umfassende Beschreibung der Zustände in eurer Stadt.
Leider ist es bei uns noch etwas schlimmer........
Zuerst einige Daten : Zürich hat ca. 380.000 Einwohner - 1500 Taxis - und für diese vielen Wagen 270 öffentliche Standplätze (viele davon in Aussenquartieren). Dazu kommt noch die Tatsache dass die Region einen vorbildlich ausgebauten ÖV hat. Dies ergibt für uns bei normalem Betrieb Wartezeiten von durschnittlich 40 - 50 Min. Wenn dann ein Kunde eine kurze Fahrt ( 8 - 12 Euro ) macht........ Als Vergleich : Angestellte bei McDonalds verdienen zw. 17 - 20 Euro/Std. - eine Putzkraft 20 - 25 Euro/Std. Wenn man dann von der Fahrt zurück kommt findet man keinen offiziellen Standplatz und muss noch herumfahren bis etwas frei wird.
Diese Zustande gelten für etwa 700 sog. "freie" Taxifahrer,also solche die ohne Anschluss an eine Funkzentrale arbeiten weil die Anschlussgebühren pro Monat etwa 750 Euro betragen. Unsere Taxi-Zentralen sind reine Dienstleister zwischen den Kunden und dem Taxihalter.
Für die etwa 800 angeschlossenen Taxis haben die Zentralen natürlich attraktive Stanplätze gemietet - vor allem bei grösseren Hotels. Da sieht die Realität dann so aus das der Portier eine Anzahl Fahrer mit grossen S-Klasse Wagen im Telefonspeicher seines Mobilphones hat die er anruft wenn es eine attraktive Fahrt gibt. Dafür kassiert er dann ein persönliches "Telefongeld"................. Bei einer Fahrt zum Flughafen die 40 - 45 Euro kostet sind es ca. 15 - 20 Euro. Der Fahrer der sich da beim Hotel auf Position 1 vorgearbeitet hat kann dann zusehen wie der "Kollege" ohne Taxilampe vorfährt (so gilt es als Limousinen-Fahrt !) und ihm die gute Fahrt wegschnappt.

Zum Problem mit den Illegal arbeitenden Taxis. An Wochenenden, wenn viele junge Leute in die Stadt kommen weil es hier ein riesiges Angebot an verschiedensten Clubs und Bars gibt, sind oft zw. 40 - 60 Taxis aus den umliegenden Gemeinden in der Stadt unterwegs. Da sagt die Polizei dass sie im Rahmen der Möglichkeiten (!!!!) Kontrollen durchführt. Natürlich hat sie an solchen Abenden genug zu tun mit wichtigeren Dingen.

Politisch ist es so dass die Aufsicht über unser Gewerbe bei der sog."Gewerbepolizei" liegt weil jede Gemeinde das Taxiwesen in eigener Verantwortung organisert.
In Zürich kommt dazu noch die "Taxi-Kommission" welch das Gewerbe gegenüber der politischen Führung vertreten sollte. Allerdings ist die Zusammensetzung derart einsitig dass man da von gut schweizerischem"Beziehungs-Filz" sprechen kann. Da sind 2 Behördenvertreter, dann Vertreter der drei grosen Taxizentralen und ein Vertreter des Taxiverbandes(eine Organisation von Schwätzern und Selbst-Darstellern die nicht ernst genommen wird).
Die Anzahl Bewilligungen ist nicht mehr limitiert wie früher. Mit dem Argument der "Gewerbefreiheit" wurde diese in unserem Gewerbe sinnvolle Bestimmung durch das Stadtparlament abgeschafft. Das Parlament ist eigentlich rot/grün dominiert aber die liberalen und ultra-rechten haben mit dem Lockvogel "mehr Konkurrenz=grössere Qualität" einige der naiven links-grünen auf Ihre Seite ziehen können. Nun stellt man fest, dass genau das Gegenteil eingetroffen ist. Zu der schon bestehenden Mehrheit von Taxihaltern mit Migrationshintergrund sind nochmals 300 - 400 dazugekommen,so dass wir "echten" Ureingeborenen (ohne Papierschweizer) in der absoluten Minderheit sind. Für sehr viele dieser Leute ist eine Dienstleistung eine minderwertige Arbeit die sie nur machen weil sie nichts anderes finden.

Wir kämpfen seit Jahren(zuerst im Taxiverband und jetzt in der IG Taxi) für die Öffnung von einigen wichtigen Bus-und Strassenbahn-Fahrspuren für Taxis und für mehr (zeitlich begrenzte!!) Warteplätze bei den wichtigsten Discos und Grossverabstaltungen. Im Momnt warten wir schon dort,riskieren aber Bussen von 70 - 90 Euro wegen"Anhalten im Halteverbot"....

Wie zu sehen ist sind unsere Arbeitsbedingungen sehr schlecht mit wenig Hoffnung auf Verbesserung.
 
Mit Freundlichen Grüssen
Dolores Zanini
Präsidentin
und der Vorstand
IG-Taxi Zürich